| Primera FUNA en Europa: ¡La justicia alemana debe detener a criminales de Colonia Dignidad! |
| por FUNA Europea | |||||||||||
| viernes, 29 de septiembre de 2006 | |||||||||||
Página 2 de 2 Liebe Freundinnen und Freunde, Chile exportiert Kupfer, Holz und Früchte. Warum nicht auch eine Funa? "Funa" ist im chilenischen Spanisch ein volkstümliches Wort für Rambazamba, Lärm. Nach dem Ende der Diktatur Pinochets waren die Folterer und Mörder seiner Geheimdienste durch eine Amnestie geschützt. Auch als schließlich eine Strafverfolgung möglich war, erwiesen sich viele Richter als Komplizen der Pinochet-Diktatur. Deshalb begannen Menschenrechtsgruppen, vor den Häusern und Arbeitsstätten der Folter und Mörder und ihrer Komplizen Funas zu veranstalten. Diese Funas sind die Antwort der Zivilgesellschaft auf das Versagen der Justiz. Sie sind karnevaleske Aufzüge, die ahnungslose Nachbarn und Kollegen aufklären sollen, wer da wohnt. Deshalb ist der Protest laut. Wenn sich in das Geschrei und die Trillerpfeifen Polizeisirenen mischen, ist die Funa gelungen. Dann übernimmt die Polizei die Funa, und es stehen ein paar Schaulustige herum, die sich darüber freuen, dass der Staat endlich einschreitet. Wenn dann ein Polizist an dem betreffenden Haus klingelt und fragt, was los ist, ist die Aktion ihrem zweiten Ziel näher gekommen. Denn Funas sollen die Justiz zum Handeln bewegen. Nachdem vor wenigen Tagen die chilenische Zeitung La Tercera berichtete, dass ein Mittäter der Pinochetdiktatur regelmäßig die Gottesdienste der Freien Volksmission Krefeld besucht, hat sich ein Häuflein von MenschenrechtsarbeiterInnen entschlossen, dort die erste europäische Funa zu veranstalten. Ort: Krefeld, Am Herbertshof 11-17 (vor dem Gelände der Freien Volksmission Zeit: Samstag, 30. September 2006, 18.30 h, Dauer 1-2 Stunden Es ist kein Demonstrationszug, sondern eine polizeilich angemeldete Kundgebung Funas sind keine Selbstjustiz. Wer unschuldig ist, kann sich öffentlich wehren. Wer schuldig ist, wird von nichts anderem getroffen als von der eigenen Schuld. Funas sind gewaltfrei. Sie zitieren die Gewalt der Folterzellen und Hinrichtungskommandos. Aber sie vergelten die Gewalt der Folterer und Mörder nicht mit Steinwürfen und Schlägen. Das wäre lächerlich. Funas geschehen. Es gibt niemanden, der sie zentral organisiert. Die Sonne bricht durch eine graue Wolkendecke. Niemand hat ihr gesagt, dass sie das tun soll. Bei der hier vorgeschlagenen Funa geht es um Albert Schreiber. Schreiber war einer der engsten Gefolgsleute des Gründers der Colonia Dignidad, Paul Schäfer. Er war Buchhalter der Colonia Dignidad und damit auch für die zahlreichen dunklen Geschäfte der Sekte zuständig, die jetzt aufgedeckt werden. Schreiber war Strohmann der Scheinfirma ABRATEC, mit der Sektenchef Schäfer die juristische Auflösung der Colonia 1991 unterlief. Da Schneider zwischen dem früheren Chef des Pinochet-Geheimdienstes DINA, Manuel Contreras, und der Sektenführung gedolmetscht hatte, müsste er ein wichtiger Zeuge für das Schicksal vieler in der Siedlung "verschwundener" Gefangener, Morde, Waffenschmuggel und Wirtschaftskriminalität sein. Schreiber war einer der Chauffeure und Dolmetscher bei den Besuchen Pinochets in der Colonia Dignidad. Er war ein Freund von Edgardo Bathich, der mit Drogen und Waffen handelte. Bathich war der chilenische Vertreter des internationalen Waffen- und Drogenhändlers Monzer Al-Kassar und machte Geschäfte mit Pinochets Sohn Marco Antonio (La Nación, 21.5.06). Schreiber wurde am 3.9.1931 im damaligen Bessarabien (heute Rumänien) geboren. Er ist von der dortigen protestantischen Minderheit und dem frühen Erlebnis der Vertreibung geprägt und stand schon als junger Mann unter dem Einfluss der fundamentalistisch-antikommunistischen Sekte Schäfers. Er hatte in Chile einen schweren Autounfall und hat seitdem motorische Schwierigkeiten. Seine Ehefrau Lilli Schreiber stammt aus dem heutigen Moldawien, wurde als "Volksdeutsche" von den Nationalsozialisten nach Westpreußen umgesiedelt und floh Anfang der fünfziger Jahre aus der DDR nach Hamburg, wo sie in Schäfers Gemeinde Albert Schreiber kennenlernte. Ihr Vater verbot die Heirat. Albert und Lilli gingen mit Schäfer nach Chile und heirateten dort. Das Ehepaar hat fünf Kinder. Einer der Söhne; Hans Jürgen Schreiber ("Fips"), verunglücke in der ersten Hälfte der achtziger Jahre bei einem durch Schäfer verursachten Unfall auf einem Berg namens Doradilla, der zum Gelände der Colonia gehört, schwer. Auf der Ladefläche des Lieferwagens waren einige Jungen ("Keile"). Schäfer war zu dicht an die Böschungskante gekommen, und der Wagen überschlug sich und rollte den Hang herunter. "Fips" kam unter den Wagen. Der Wagen, der ursprünglich einem "verschwundenen" politischen Gefangenen gehört hatte, wurde später auf einem abgelegenen Gelände vergraben um Spuren zu beseitigen. Schreiber wurde in Chile wegen der Verweigerung der übergabe Minderjähriger (von Schäfer missbrauchte Jungen) und Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt, und es liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor. Er hatte sich 1996 von der Colonia Dignidad abgesetzt, als Schäfer wegen des Missbrauchs eines vom Ehepaar Schreiber angenommenen Jungen angeklagt worden war. Er hielt sich mit dem Jungen auf dem Grundbesitz "Santa Matilda" der deutschstämmigen Familie Stegmeier versteckt und beging damit Strafvereitlung. Außerdem ist er wegen Steuerflucht zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er floh zusammen mit seiner Frau, dem Sohn Erich und dem Kind. Erich Schreiber dürfte ebenfalls in Deutschland untergetaucht sein. Lilli Schreiber nannte sich in Deutschland Cornelia Reimer. Nach zehn Jahren Flucht und Illegalität dürften das Ehepaar Schreiber und ihr Sohn Erich zermürbt sein. Schreiber soll bei seiner Flucht einen hohen Geldbetrag mitgenommen haben. Er war seit 1986 für die aus Deutschland überwiesenen Rentenzahlungen an Bewohner der Colonia Dignidad zuständig, die er für Schäfer in der chilenischen Bank Banchile investierte. Dort reichte er 19 Schecks im Gesamtwert von annähernd 400.000 € ein, die er unter Umgehung der Steuer außer Landes brachte. Die chilenische Zeitung El Mercurio (15.10.2000) berichtet, Schreiber habe deutsche Rentenzahlungen im Wert von 2,5 Millionen US-Dollars in die Gemeinschaftskasse der Sekte umgeleitet. Möglicherweise hat er auch mit Erlösen der Colonia Dignidad aus illegalen Waffengeschäften, Erpressung und Steuerbetrug zu tun. Insider schützen das Schwarzgeld der Sekte auf viele Millionen Dollar. Der fundamentalistische Prediger Ewald Frank und seine "Freie Volksmission" in Krefeld sind zum Treffpunkt von in Deutschland lebenden früheren Colonia-Bewohnern geworden. Der mittlerweile verstorbene Alfred Matthusen, der vor der chilenischen Justiz nach Deutschland geflohen war, besuchte Franks Gottesdienste. Auch die Schreibers verkehren dort. Frank predigt ihnen, was sie hören wollen: Das Vergangene vergessen, in die Zukunft schauen. Frank war einige Male in der Colonia Dignidad (heute: Villa Baviera), bis ihm die chilenische Regierung wegen Anstiftung eines öffentlichen Ärgernisses Einreiseverbot erteilte. Frank kannte Paul Schäfer noch vor dessen Justizflucht 1961. Seine "Freie Volksmission" erinnert an Schäfers Sekte. Frank predigt einen modern gewendeten christlichen Antisemitismus: "Die Juden" haben Christus nicht erkannt und deshalb zwei Jahrtausende lang gelitten. Deshalb der Holocaust. Nach Frank sind die Juden an ihrem Unglück selbst schuld. Als 1985 der US-Amerikaner Boris Weisfeiler für immer in der Colonia Dignidad "verschwand" und FBI und CIA seinen Verbleib untersuchten, setzte sich Schreiber für einige Zeit aus der Siedlung ab. Sektenchef Paul Schäfer ließ nach gravierenden Straftaten die Täter immer einige Zeit untertauchen. Wie die chilenischen Zeitung El Mercurio (5.5.2005) meldet, war Schreiber der Empfänger eines Koffers mit Laborartikeln, mit denen die DINA das Giftgas Sarin herstellte. Der Absender war Michael Townley, der für die DINA an dem Giftgasprojekt mitarbeitete. Townley ermordete den früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier nach dem Militärputsch in Washington durch eine Bombe. 2004 sickerte durch, dass Schreiber mit Frau und Sohn unter falschem Namen in Deutschland ist. Die Familie lebt in Ferienwohnungen (z. B. in Nürnbrechts im Bergischen). Schreiber benutzt die Adressen ahnungsloser Verwandten von Colonia-Mitgliedern (z.B. ein Dorf im Steigerwald). Eine Interpol-Fahndung ("rote Ecke", die höchste Fahndungsstufe) gibt es seit April 2005. Schreiber hat sich mit rechtskräftig verurteilten Terroristen abgegeben und Wirtschaftsvergehen in großem Maßstab begangen. Er war Mitglied einer kriminellen Vereinigung. Mittlerweile geben führende Köpfe der Colonia Dignidad die dort begangenen Massenmorde und den Waffenschmuggel zu. Schreiber hält von Deutschland aus Kontakt mit der Führungsclique der Colonia Dignidad. All das hätte für eine Verhaftung Schreibers genügen müssen, wenn die deutsche und die chilenische Justiz früh und eng genug zusammengearbeitet hätten. Ende Januar 2006 beschloss der oberste Gerichtshof Chiles, Deutschland um die Auslieferung Schreibers zu bitten. Eine Auslieferung Deutscher aus Deutschland ans Ausland ist allerdings nicht möglich. Es gibt keinen deutschen Haftbefehl gegen Schreiber. Die chilenische Zeitung La Nación (9.6.06) berichtet, dass zwei hochrangige chilenische Polizisten zu Besuch beim Bundeskriminalamt waren, um einen deutschen Haftbefehl zu erwirken. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen Schreiber Die deutsche Justiz weiß, wo Schreiber sich aufhält, kann ihn aber mangels in Deutschland strafbarer und nicht verjährter Delikte bisher nicht verhaften. Die führenden Köpfe der Sekte benutzen Deutschland als sicheren Hafen und organisieren teilweise aus dem chilenischen Gefängnis heraus Reisen von schäfertreuen Anhängern. In Deutschland agiert eine Art Untergrund-Colonia, die mit Einschüchterung und religiösem Druck versucht, das für die ehemaligen Führer der Siedlung gefährliche Wissen der in Deutschland leben früheren Siedler unter dem Teppich zu halten. Mittlerweile leben etwa 100 frühere Colonia-Siedler in Deutschland. Noch schweigen sie über die in der Colonia Dignidad begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der lange Arm der Sektenführung mag zu diesem Schweigen beitragen. Wir wollen mit dieser Funa dazu beitragen, dass Deutschland kein sicheres Flucht- und Hinterland für Schäfers Komplizen ist und die verschüchterten Colonia-Flüchtlinge ihr Schweigen brechen. Stand: September 2006
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